Schöne neue Welt
Schöne neue Welt
Entspannt lehnte sie sie in ihrem Sessel zurück.
Feierabend.
Nichts mehr zu tun.
Das sind ihre einzigen Gedanken.
Ach nein, da war noch eine Sache, die erledigt werden musste, aber Gott sei Dank nicht von ihr.
Die Rothaarige ging an ihr vorbei, bedachte sie mit einem flüchtigen Abschiedskuss und schloss dann hinter sich die Tür.
Doch die Andere reagierte gar nicht darauf. Es war als würde sie gar nichts mehr wahrnehmen und starrte nur an die Decke.
Gut, ihr sollte es recht sein. Ihr neuer Freund wartete auf sie um mit ihr zu fliehen.
Weg von dieser Wahnsinnigen, die im Haus saß und die Welt um sich herum nicht mehr zu sehen schien.
Vielleicht war sie ja auch tot.
Die Rothaarige hatte schon ein ums andere Mal nach dem Puls ihrer Lebensgefährtin getastet, da sie sich nicht sicher gewesen war ob diese noch unter den Lebenden weilte.
Wie hatte sie in diese Situation geraten können?
Sie war doch nur ein einfaches Mädchen vom Lande gewesen, das in der Disco von einer anderen Frau angebaggert worden war.
Sie hatte es aufregend gefunden, etwas Neues auszuprobieren, sich neu zu erfahren und all das hatte ihr die dunkelhaarige Fremde gegeben. Sie hatte sie aufgebaut, ihr Selbstbewusstsein gestärkt und ihr eine völlig neue Welt gezeigt.
Eine Welt, in der Geld keine Rolle spielte, in der sie jeden Abend in eine andere Edeldiskothek gehen konnte, die Nacht durchfeierte und am Tag in den besten und teuersten Geschäften der Stadt einkaufen konnte.
Aber dann war der Tag gekommen, an dem sie aus dieser rosaroten Zauberwelt aufgewacht war und sah, was ihr dieses Leben bescherte.
Diese liebevolle Frau, die sie zu kennen geglaubt hatte, war eine Mörderin.
Sie tötete Menschen und bekam viel, sehr viel Geld dafür. Sie hatte sogar Leute, die für sie mordeten und kleine Kinder an Drogen brachten.
Sie hatte gesehen wie die Frau, die sie immer mit einem Kuss und einem Lächeln auf den Lippen geweckt hatte, getötet hatte ohne mit der Wimper zu zucken.
Sie war verrückt.
Die Rothaarige war an die schlimmste Art einer Wahnsinnigen geraten.
Diese Wahnsinnige hatte Geld und Macht.
Und wenn man das besaß, war man nicht verrückt, sondern lediglich exzentrisch.
Ohne mit der Wimper zu zucken hatte sie einen Mann erschossen. Dabei hatte er sich nur mit der Rothaarigen unterhalten.
In diesem Augenblick war ihr klar geworden, dass die Andere eifersüchtig über sie wachte und dieser Poolboy nicht der Erste war, der ihretwegen gestorben war.
Sie hatte begonnen ihre Flucht zu planen und zu organisieren.
Heimlich schaffte sie Geld zu Seite und fand jemanden, der mit ihr gehen würde. Jemand, mit dem sie ein neues Leben anfangen würde.
Heute floh sie.
Die Andere würde davon nichts bemerken, genauso wenig wie sie die Geldtransfähre und die Vorbereitungen auf die Flucht bemerkt hatte.
Endlich erreichte die Rothaarige ihren Freund, der in einem Wagen vor der Einfahrt auf sie wartete. Glücklich fiel sie ihm in die Arme.
Bald würden sie weit weg sein und brauchten sich keine Sorgen mehr machen.
Sie stiegen in den Wagen und er startete den Motor…
Die Dunkelhaarige saß noch immer in ihrem Sessel und starrte die Decke an. Dieses kleine Luder hatte geglaubt, sie hintergehen zu können… aber da hatte sie sich geirrt.
Ein Knall ließ die Fensterscheiben in ihrer Fassung zittern und ein greller Lichtblitz erhellte die Nacht.
Erschrocken sprang ein kleiner Kater auf den Schoß der Dunkelhaarigen und sie streichelte beruhigend über seinen Rücken, wand dabei aber nicht ihren Blick von der Decke ab.
Plötzlich runzelte sie die Stirn.
„Die Decke müsste mal wieder gestrichen werden, oder was meinst du Katerchen?!“
Ende

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