Das Märchen ohne Namen

Es was einmal ein Mädchen, das hatte seinen Liebsten verloren.

Doch man gestattete dem Mädchen nicht, um ihren Schatz zu trauern und ihre Eltern suchten nach einem neuen Mann, der ihre Tochter heiraten sollte.

Schon als ihr Liebster beigesetzt wurde, stellten sie dem Mädchen zwei neue Männer vor, die sie als mögliche Heiratskandidaten auserkoren hatten.

Das Mädchen aber schwieg und würdigte keinen der Männer auch nur eines Blickes.

Nun war einer der Männer der Sohn des Bürgermeisters und dieser war erbost über die Abneigung, mit der das Mädchen seinem Sohn begegnete.

Also jagte er die Familie aus der Stadt und verbot ihnen jemals wieder einen Fuß über die Stadttore zu tun.

Die Eltern versuchten ihre Tochter mit anderen Männern zu verheiraten, doch immer wies das Mädchen sie ab und die Eltern mussten die Stadt verlassen.

Nach einem Jahr schließlich, verheirateten sie das Mädchen schließlich mit einem Herzog, der sich nicht von der Abneigung des Mädchens hatte abschütteln lassen.

Doch auch nach der Hochzeit, wurde er nicht glücklich mit ihr, denn wann immer sie gemeinsam im Ehebett lagen, rief sie den Namen ihres Liebsten.

Der Herzog begann seine Frau zu schlagen, weil er glaubte, sie betrüge ihn mit einem anderen Mann, und so kam es, das sie in einer stürmischen Nacht aus dem Haus ihres Mannes floh.

Nachdem das Mädchen lange durch die lande gezogen war, erreichte sie ihre alte Heimat wieder. Doch wollte man sie nicht durch das Tor lassen.

Eine alte Frau zeigte erbarmen und rief das Mädchen zu sich. Sie nahm sie mit in ihr Haus, das außerhalb der Stadttore lag und gab ihr zu essen und ein weißes Kleid.

Das Mädchen jedoch sprach kein Wort und sah nur in Richtung Norden, wo das Grab ihres Liebsten lag.

Die Alte hatte wohl die Geschichte von dem Mädchen gehört, kannte sie doch die ganze Stadt, und wieder regte sich in ihrem Herzen Mitleid.

Sie nahm das Mädchen bei Seite und sprach zu ihr. „ Ich sehe, dass du hier nicht glücklich bist und auch niemals glücklich sein wirst. Wohl weiß ich auch, dass du mich schon bald verlassen wirst. Darum möchte ich dir jetzt etwas geben und dich bitten, es immer bei dir zu tragen, was immer auch geschieht.“

Die Frau gab dem Mädchen eine Rose, die aus feinstem Kristall gemacht war und in allen Farben des Regenbogens leuchtete, wenn man sie in die Sonne hielt.

Am nächsten Tag machte sich das Mädchen auf in Richtung Norden.

Als sie schließlich den Friedhof erreichte, auf dem das Grab lag, verlangsamte das Mädchen seine Schritte und sah noch einmal zurück.

Doch drehte es nicht um, sondern betrat den alten Friedhof und suchte das Grab.

Dort setzte es sich, mit ihrem weißen Kleid, auf das Grab nieder und weinte um ihre verloren Liebe.

Tage und Wochen vergingen.

Und als einer der Stadtbewohner morgens auf den Friedhof ging um einem Verstorbenen zu besuchen, sah her auf dem Grab des verstorbenen Liebsten einen weißen Strauch, an dessen Ästen geschlossenen Blüten hingen.

Und als die ersten Strahlen der Morgensonne auf die Knospen trafen, öffneten sie sich und das Licht brach sich Tausendfach in den kristallenen Blütenblättern.

Ende

~ von Shidave am Januar 2, 2009.

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